Ein Team will im Oberen Donautal eine Dual-Use-Transportdrohne entwickeln – Wird das gelingen?

Ein deutsch-ukrainisches Team arbeitet im Oberen Donautal an einem Plan zum Aufbau einer Drohnenproduktion. BeuronBerlin hat mit den Machern gesprochen. Sie wollen einen Beitrag für die technologische Eigenständigkeit leisten.

Denn bei der Produktion von Drohnen gleich welcher Art ist Europa von China abhängig. Das Reich der Mitte bietet der Welt hochwertige Technik zu niedrigen Preisen.

Das Lastivka-Projekt

„Lastivka“ (ukrainisch für Schwalbe) ist eine Dual-Use-Transportdrohne. Sie soll mindestens 10 km weit fliegen und bis zu 50 kg Payload tragen können. Das sind keine bemerkenswerten Leistungswerte. Über chinesische Webportale lassen sich solche Geräte für weniger als 10.000 Euro bestellen.

Quelle: Harald Sondhof

Die Lastivka-Drohne soll aber ohne chinesische Komponenten auskommen. Dazu will Lastivka europäische Lieferketten aufbauen, die bisher nicht etabliert sind. Die Kosten sollen sich an dem niedrigen chinesischen Niveau orientieren. Das ist eine echte Herausforderung.

Neuartig für Deutschland ist das dezentrale Produktionskonzept für die Drohne. Es ist auf die Einbeziehung von Privatpersonen ausgelegt. Erfahrungen aus der Ukraine, die mittlerweile eigene Drohnen in Massen produziert, fließen in das Lastivka-Projekt ein.

Dort fertigen Heimarbeiter nach Aussage von Lastivka Komponenten (u.a. mit 3D-Druckern). Wo es der Platz zulässt werden die Drohnen dann zusammengesetzt. Große Produktionsstätten gibt es nicht. Denn die würden schnell zerbombt.

Die Lastivka-Drohne soll mittelschwere Lasten bewegen: Lebensmittel, Technik, Medikamente, Werkzeug und ähnliches. Die Design-Herausforderungen bestehen im Landeprozess, in der Reduzierung des Betriebsgeräusches und dem Einbau einer Mehrfach-Redundanz bei kritischen Bauteilen.

Das Lastivka-Team

Die Mitglieder des Teams verfügen nach eigener Einschätzung über das technische Know-how zur Entwicklung und zum Bau von Drohnen. Mit dabei sind erfahrene Spezialisten für Embedded Hard- und Software sowie Radar- und Funktechnik. Ein bereits bestehender Entwicklungsstandort in der Nähe ist mit allen erforderlichen Werkzeugen, Geräten und IT ausgestattet. 

Quelle: Bundeswehr

Einige Mitglieder des Teams haben einen militärischen Hintergrund. Von besonderer Bedeutung sind Kontakte zu ukrainischen Drohnenproduzenten. Es bestehen auch Verbindungen zu Drohneneinheiten an der Frontlinie. Erfahrene Manager kümmern sich um Verwaltung, Finanzen, Rechtliches und Organisation.

Großes Potential

Wegen der persönlichen Gefährdung ist das Lastivka-Team nicht an persönlicher Bekanntheit interessiert. Das gilt vor allem für die ukrainischen Teammitglieder. Lastivka ist kein gewöhnliches Start-up. Statt bei Fernsehshows á la „Höhle des Löwen“ sucht das Team die Unterstützung staatlicher Stellen. Erste Kontakte zu Fördereinrichtungen bestehen bereits.

In der ersten Phase ist Lastivka ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Für Experten: Es geht um Arbeiten auf die TRL (Technological Readiness Level) drei bis fünf . Das Team schätzt, dass für diese Phase inklusive des Baus erster Prototypen unter Beteiligung ziviler Strukturen ein Budget von drei bis vier Mio. Euro. erforderlich ist. Eine Hauptaufgabe in der Vorbereitung des Projekts ist die Suche nach geeigneten EU-Partnern.

Das Potential für eine kostengünstige Transportdrohne ist groß. Der europäische Drohnenmarkt wird bis 2030 auf 10 bis 15 Mrd. Euro wachsen. Ein signifikanter Teil entfällt auf den Tansport.

Updates und Kontakt

BeuronBerlin hat den Auftrag übernommen, über die Projektfortschritte von Lastivka zu berichten. Schauen wir einmal, ob in Deutschland in Friedenszeiten möglich ist, was die Ukraine unter dem Druck des russischen Angriffskriegs geschafft hat.

Wer auf dem Laufenden bleiben will, sollte den Blog abonnieren.

Harald Sondhof ist auch der Ansprechpartner für alle Fragen zu dem Projekt: hsondhof@outlook.de

 

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