Brüssel ist besser als sein Ruf – Folgen Sie mir ein Wochenende in der europäischen Hauptstadt

Ulrich Sondermann lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Brüssel, dem Sitz der Europäischen Kommission. Er ist der zweite „So“ in dem Podcast „So So, Europa!“. Als unser Mann in Brüssel berichtet er in loser Folge über die belgische Hauptstadt und Belgien.

Aus der Ferne wird Brüssel oft als öde Bürokratenstadt wahrgenommen. Aber gehen Sie mit mir an einem Spätsommerwochenende durch die Stadt. Dann ändern Sie bestimmt Ihr Urteil.

Starpower zum Anfassen

Fangen wir am Freitagabend an. Wir besuchen das Kino Nova, ein kleines Programmkino, an der Rue d’Arenberg 3, in der Nähe der Kathedrale St. Michael und St. Gudula.

Es läuft ein Dokumentarfilm von Jen Debauche, einer Brüsseler Regisseurin. Sie stellt ihren Film „L`Ancre“ (Der Anker) selbst vor. Sie verbindet in dem Projekt Theorie, Praxis und persönliche Berichte, um die introspektive Vision einer Psychose zu zeigen. 

Die großartige Charlotte Rampling spielt in diesem Film mit. Die englische Schauspielerin, die in „Stardust Memories“ (1980) von Woody Allen, „Swimming Pool“ (2003) von Francois Ozon und „Dune“ von Denis Villeneuve mitspielte, ist an diesem Abend anwesend. Mit der Regisseurin stellt sie sich den Fragen des Publikums. Harte Kost, serviert von internationalen Stars.

Foto: Georges Biard

Nach dem Kino nach Hause. Freitag war ja ein Arbeitstag.

Von Klassik bis Pop

Lange Ausschlafen, dann geht es Samstagnachmittag zum Konzert in der Kirche St. Katharina. Alle Plätze in dem gotisch-barocken Innenraum sind besetzt. Das Ensemble Musicâme France“ spielt unter der Leitung von Issam Garfi Musik von Brahms, Vivaldi und Queen.

Foto: Wikipedia

„Musicâme France“ besteht aus französischen und belgischen Orchestermusikern, die sich zusammengetan haben, um in besonderen Umgebungen wie dieser Kirche Stücke außerhalb ihres gewöhnlichen Repertoires zu spielen.

Wir lauschen der Musik, während wir die imposante Architektur betrachten und die Geschichte des Ortes fühlen.

Auf zum Bierfestival

Genug der Hochkultur. Nach dem Konzert sind wir durstig. Da passt es gut, dass gleich um die Ecke auf dem Platz Sainte-Catherine das Brüsseler Bierfestival stattfindet, eine weltweit bekannte Veranstaltung rund um Bier.

Quelle: Webseite des Veranstalters

Wir finden zwei freie Stühle auf einer Terrasse. Bei belgischem Craftbier verfolgen wir das Treiben der Nachtschwärmer. Großes Gedränge herrscht an den Eingängen zu den Roof Top-Bars. Brüssel hat viele solcher Hochsitze, die einen fantastischen Ausblick auf die Altstadt bieten.

Es ist nach Mitternacht, als wir auf dem Nachhauseweg am eindrucksvollen Gebäude der alten Börse vorbeikommen. Dort stoßen wir auf eine Gruppe von Streetdancern. Mit einem Dosenbier in der Hand gesellen wir uns zu der Traube von Zuschauern, die sich auf der Treppe vor der Börse niedergelassen hat.

Nächstes Wochenende erwartet uns etwas Besonderes. Aber dann Sie leider weitergezogen…

Sie sehen: Schon ein normales Wochenende in Brüssel reicht, um die Vielseitigkeit und den Flair einer Stadt zu zeigen, die europäisch und lokal ist, alt und neu. Dazu tragen auch die 30.000 Mitarbeiter der verschiedenen europäischen und internationalen Institutionen bei. Kommen Sie mal vorbei.

 

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