Wie der Überfall Russlands auf die Ukraine ausgeht, ist zum heutigen Zeitpunkt offen. Allerdings ist die Tatsache, dass die russischen Streitkräfte es nach vier Jahren nicht geschafft haben, größere Erfolge zu erzielen, an sich bereits eine Überraschung.
Eine andere Überraschung für den deutschen Beobachter ist die Lebendigkeit der ukrainischen Presselandschaft. Während in Russland alle Medien gleichgeschaltet sind, wie in China, ist die Lektüre ukrainischer Medien sehr informativ, vielseitig und spannend.
KI: As Russian losses in Ukraine mount, the Kremlin strains to avoid full mobilization
Der Kyiv Independent spekuliert heute darüber, wann Putin gezwungen sein wird, die nächste Mobilisierung zu verordnen. Bisher konnte Russland darauf verzichten, weil sich gegen üppige Bezahlung (bis zu mehreren zehntausend Euro pro Kopf) jeden Monat etwa 30.000 Freiwillige für den Kriegsdienst gemeldet haben
Das wird jedoch allmählich unfinanzierbar. Die westlichen Sanktionen treffen den russischen Staatshaushalt schwer. Und jeden Tag verliert Moskau 1.000 Soldaten – als Tote oder Invalide.

Ehemaliger russischer Panzer/Foto: Kyiv Independent
„Der Kreml möchte in Moskau und St. Petersburg keine Männer mobilisieren. Revolutionen könnten gerade in den Hauptstädten stattfinden. Man will die Bevölkerung nicht beunruhigen und den Krieg nicht näher an ihren Alltag heranbringen“, sagte Ilja Ponomarew, ein ehemaliger russischer Duma-Abgeordneter, der heute im Exil lebt, gegenüber dem Kyiv Independent.
Für die Ukraine wäre eine allgemeine Mobilmachung in Russland zweischneidig: Innerhalb eines halben Jahres könnten sich die feindlichen Truppen verdoppeln. Andererseits würde die Mobilmachung das Ende der Lüge Putins von der „Spezialoperation“ sein und die bisher passive russische Gesellschaft in Aufruhr versetzen.
UP: В Киеве свет подается 1,5-2 часа в сутки, впереди сложные дни – ДТЭК (In Kyiw gibt es nur 1,5 bis 2 Stunden Strom am Tag – es stehen schwierige Zeiten bevor, sagt der Energieversorger)
Die Ukrainskaja Prawda gibt eine Nachricht des Energieversorgers von Kyiw weiter: „Die Stromversorgungslage bleibt äußerst angespannt. Der Stromausfall infolge des nächtlichen Angriffs hat zu einer erheblichen zusätzlichen Verknappung geführt, die nur schwer zu beheben ist und die kommenden Tage zu einer großen Herausforderung macht.“
Kyiw im Dunkeln/Foto: Ukrainskaja Prawda
Kyiw ist weltweit die einzige Millionenstadt, die aufgrund der militärischer Angriffe auf die zivile Infrastruktur in weiten Teilen ohne Strom, ohne Wärme und ohne Wasser ist.
Von Berlin aus betrachtet liegt Kyiw 1.000 Kilometer näher als Madrid. Das wissen die meisten nicht.
Nakopilo: На війні загинув харківський журналіст, офіцер ДШВ Сергій Фісун (Im Krieg ist der Charkiwer Journalist und Offizier der DSCHB Serhei Fisun gefallen)
Eine traurige Nachricht aus dem Kampfgebiet in der Nähe von Charkiw. Serhij Fisun, im zivilen Leben ein Journalist, ausgebildet an der Charkiwer Karasin-Unversität, wurde Opfer eines Raketenangriffs.
Ein Journalist, der sein Land verteidigte: Serhij Fisun
Ein anderer Sohn der Ostukraine mit Wohnsitz in Charkiw mit dem gleichen Vornamen ist Serhij Schadan. Er erhielt im Jahr 2022 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Wer seine Bücher kennt, fürchtet täglich um sein Leben. Denn er dient seit einem Jahr freiwillig in der ukrainischen Armee. Das wissen die Russen.
Zachid: На Львівщині внаслідок масованої атаки РФ постраждали обʼєкти енергетичної інфраструктури (In der Region Lwiw wurden durch einen massiven russischen Angriff Anlagen der Energieinfrastruktur beschädigt)
Die Ukraine hat eine Fläche, die zweimal größer ist als die Deutschlands. Der russische Krieg gegen die Zivilbevölkerung trifft die Ukraine flächendeckend, wie Zachid heute nicht das erste Mal berichtet.
Alle größeren Städte der Ukraine, im Norden, im Süden, im Osten und auch unmittelbar an der polnischen Grenze im Westen wie in Lwiev (Lemberg) sind regelmäßig unter Beschuss. Militärisch ist das bedeutungslos.
Durch die nächtlichen Raketenangriffe auf die Infrastruktur sind auch in Lwiv viele Menschen ohne Strom.
Zerstörung eines Hauses in Lwiev/Foto: Zachid
„Da die Russen Energieanlagen in verschiedenen Regionen unseres Landes angegriffen haben, können die Stromausfälle deutlich länger andauern. Laden Sie Ihre wichtigsten Geräte auf“, sagte der Leiter des örtlichen Energieversorgers.
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Morgen endet das Projekt von BeuronBerlin, das einen Überblick über das geben wollte, worüber ukrainische Zeitungen täglich berichten. Der russische Krieg gegen das überfallene Land geht jedoch weiter.

