Lieber Hans-Peter,
das Projekt von Sabrina Kleiner zur Bürgerbeteiligung nehme ich zum Anlass, Probleme öffentlich zu machen, von denen ich glaube, dass die dahinterstehenden Fragen über das Persönliche hinausgehen.
Deine Wortbeiträge in der Auftaktveranstaltung des Projekts am letzten Mittwoch haben mir erneut deutlich gemacht, dass wir offenbar ein sehr unterschiedliches Verständnis davon haben, wie eine Gemeinde funktioniert und welche Rolle die Presse hat.
Du hast den „guten Zusammenhalt“ im Ort betont und sinngemäß erklärt, alle würden an einem Strang ziehen. Ich halte diese Sicht für zu eng.
Denn eine Gemeinde besteht für einen Politiker nicht nur aus Familie und den Menschen, mit denen er sich gerne umgibt.
Anforderungen an Politiker
Zu einer demokratischen Kultur gehören auch kritische Stimmen, eine unabhängige Presseberichterstattung, unbequeme Fragen und Bürger, die anderer Meinung sind.
Das alles einfach auszublenden, halte ich für falsch.
Wer ein öffentliches Amt übernimmt, muss sich schwierigen Fragen stellen und unterschiedliche Positionen aushalten können. Das scheint bei dir bisher nicht der Fall zu sein.

Foto: BeuronBerlin
Ich habe Dir in den vergangenen zwei Jahren mehrfach meine Unterstützung angeboten und den Wunsch nach einem konstruktiven Austausch geäußert.
Genau zu den Themen, die bei dem Projekt von Sabrina Kleiner aufgerufen werden.
Konkret habe ich Dir die Einrichtung eines Beratenden Ausschusses vorgeschlagen. Ein solcher Ausschuss ist in der Gemeindeordnung gerade für kleine Gemeinden gedacht, in denen das Verwaltungspersonal knapp ist.
Denn irgendjemand muss die Arbeit ja machen.
Bereits vor der Bürgermeisterwahl im April 2024 wurde jedoch deutlich, dass von Deiner Seite kein Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Das hast Du jetzt zwei Jahre konsequent so gehalten.
Das bedaure ich sehr, weil es für die Entwicklung in unserer Gemeinde nachteilig ist.
Außerdem habe ich es nicht verstanden.
Persönliche Beziehung
Es gab und gibt es aus meiner Sicht keinen persönlichen Grund für Distanz. Ich schätze Deine Eltern und Deine Brüder seit vielen Jahren.
Mit dem einen war ich in Urlaub, der andere war schon in meiner Berliner Wohnung. In der Fallhütte steht ein schöner Tisch, den mir Deine Mutter überlassen hat.
Gerade deshalb hätte ich mir gewünscht, dass unterschiedliche Auffassungen in Gemeindeangelegenheiten nicht von vorneherein zu einer vollständigen Gesprächslosigkeit führen.

Illustration: Jozef Mikulcik/Pixabay
Die wenigen Gespräche, die wir geführt haben, verliefen zwar höflich. Aber Du hast klar gemacht, dass Du sie nicht fortsetzen willst.
Statt dessen wurde ich ausgegrenzt: Die Vorgänge Ende 2024 im Umfeld der Neidinger WhatsApp-Gruppe, an denen dein Freund und Stellvertreter beteiligt war, deine Auslassungen in der Gemeinderatssitzung im Dezember letzten Jahres haben aus meiner Sicht erheblich zur Eskalation beigetragen.
Beratender Ausschuss
Diese Auseinandersetzungen sollten wir beenden.
Es wäre besser für Dich als Bürgermeister und besser für die gesamte Gemeinde, das persönliche Gespräch zu suchen, statt zu schweigen und Konflikte eskalieren zu lassen.
Binde engagierte Bürger ein, indem du einen Beratenden Ausschuss zulässt, der für dich arbeitet.
Ich bin bereit, mit der Vergangenheit abzuschließen. Ich wiederhole mein Angebot zu einer offenen Aussprache. Schweigen löst politische und persönliche Spannungen nicht.
Deine Gesprächsbereitschaft wäre aus meiner Sicht der beste Weg für Beuron. Ich bin sicher, Du kannst das.
Viele Grüße
Harald Sondhof

