Die Grüne Woche gibt es seit 100 Jahren – eine echte Berliner Erfolgsgeschichte

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Seit Urzeiten dreht sich ein großer Teil des menschlichen Lebens ums Essen und das, was damit zusammenhängt. Besuchen wir daher die Grüne Woche in Berlin, eine der weltweit größten Messen für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau.

Die erste Grüne Woche eröffnete im Jahr 1926, acht Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges. Die neuartige Messe sollte der geplagten Berliner Stadtbevölkerung die Landwirtschaft näher bringen und zeigen, wie wichtig dieser Wirtschaftszweig für das tägliche Leben ist.

Erfolg für Berlin

Die Messe war von Beginn an ein Erfolg. Nach Besucherzahlen ist die Grüne Woche heute als größte Messe ihrer Art. Für viele internationale Agrarminister gilt die Berliner Messe als Pflichttermin. In diesem Jahr waren 61 von ihnen da. Zeitgleich finden internationale Kongresse statt: Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA), der Bio-Kraftstoffkongress und das Zukunftsforum.

Quelle: Grüne Woche Berlin

Vor allem aber ist die Grüne Woche eine Publikumsmesse. Und die meisten Aussteller sind kleine und mittlere Betriebe. In diesem Jahr kamen sie aus etwa 50 verschiedenen Ländern. Es herrscht in den Messehallen Volksfeststimmung. Zu sehen gibt es mehr als an einem Tag zu bewältigen ist. Mindestens zwei Tage sind nötig, um alles aufzunehmen.

Bis 1936 war sie in Ausstellungshallen am Kaiserdamm untergebracht, danach zog sie in neuen Gebäude der Messe Berlin um. Das Messegelände liegt im Westen der Stadt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach erreichbar.

Erste Eindrücke

Die meisten Besucher sind gekommen, um die kulinarischen Angebot der Aussteller auszuprobieren. Früher, so hörte Ihr Berichterstatter, waren die dargebotenen Köstlichkeiten oft kostenlos. Das hat sich jedoch geändert. Außer winzigen Appetithäppchen war nichts ohne eine Preisauszeichnung zu sehen.

Die Preise waren oft erstaunlich hoch, auch für Getränke. Ein originaler Caiphirinia kostete am brasilianischen Stand sage und schreibe 9 Euro. Immerhin sorgte der Preis dafür, dass niemand betrunken herumlief.

Hier war ein bisschen Platz für ein Besucherfoto….

Foto: BeuronBerlin

Ein Ausschnitt aus der Blumenhalle…

Foto: BeuronBerlin

Für den Garten zeigen die Aussteller auch Whirlpools, Saunas und Geräte in großer Zahl. Ihr Berichterstatter hätte gerne ein paar dieser Dinge gleich mitgenommen.

Internationale Stände

Marokko war das diesjährige Partnerland. Anders als frühere Partnerländer belegten die marokkanischen Stände nur ein Viertel einer Ausstellungshalle. Agrarländer wie Irland haben ganze Hallen gefüllt.

Foto: BeuronBerlin

Große Nachfrage nach einer schwedischen Spezialität…

Foto: BeuronBerlin

Würste aus Südfrankreich…

Foto: BeuronBerlin

Andere Würste kommen aus Niederschlesien in Polen…

Foto: BeuronBerlin

Nur wenige Angebote bot dem Besucher der ukrainische Stand. Die beiden Damen an der Rezeption sprachen jedoch sehr gut deutsch. Eine der beiden gab Ihrem Berichterstatter Souvenirs mit, weil er ein paar Brocken Ukrainisch sprach.

Foto: BeuronBerlin

Getrocknete Früchte aus Asien…

.Foto: BeuronBerlin

Den größten Raum nehmen die Stände mit in- und ausländischen Lebensmitteln und Getränken ein. Aber die Grüne Woche bietet noch viel mehr. Eine Halle füllten Ausbildungsbetriebe mit einem Bezug zu Landwirtschaft, Forst- und Gartenbau. Wer wollte, konnte dort gleich einen Ausbildungsbetrieb finden.

In der Tierhalle waren außerdem Exemplare der meisten Zuchttiere zu bestaunen, die in Europa bekannt sind.

Foto: BeuronBerlin

Pferde fehlten auch nicht. Sie sind bei Kinder so beliebt wie Traktoren, sagte mir eine junge Dame.

Umwelt- und Agrarpolitik

Aber auch der Klimawandel, die ökologische Landwirtschaft und die Diskussion über Nachhaltigkeit haben die Grüne Woche erreicht. Zu besuchen war eine Vielzahl von Ständen von NGOs, Umweltministerien und Dritte-Welt-Akteuren.

Dazu haben vermutlich die publikumswirksame „Gegen-Demos“ in Berlin beigetragen, die bekannteste organisiert ein Bündnis aus Dutzenden von Umweltorganisationen unter dem Motto „Wir haben es satt.“

Quelle: Instragram

Im Jahr 2011 protestierte erstmals eine bunte Mischung von Organisationen unter dem Motto „Wir haben es satt“ für eine Agrarwende. Die Organisatoren forderten „Gutes Essen für alle, Bauernhöfe erhalten und Klimagerechtigkeit jetzt“.

Seit der ersten Demo am Brandenburger Tor, Traktoren gehören immer dazu, sind die Teilnehmerzahlen von anfangs über 20.000 auf ungefähr 7.000 im Jahr 2026 gesunken. Ein möglicher Grund: Viele der Ansinnen sind von der Grünen Woche aufgenommen wurden.

Schafe und Schafswolle…

Foto: BeuronBerlin

Kleidung aus recyceltem Material…

Foto: BeuronBerlin

Bäume retten und pflanzen…

Foto: BeuronBerlin

Der Messestand des Bundesumweltministeriums…

Foto: BeuronBerlin

Zwei Besucherinnen, die sich beruflich mit dem Klimawandel beschäftigen, waren beeindruckt. Sie hatten bei dem Stand eines Forschungsinstituts in einer Versuchsanordnung selbst Bodentemperaturen messen können. Mit einer neuen Technologie kann offenbar die Aufnahmekapazität des Bodens für Hitze bestimmt werden. Ein wichtiges Instrument für die Planung von Schutzräumen in heißen Städten. 

Zufriedenheit überall

Die beiden waren nicht die einzigen, die die Grüne Woche toll fanden. Immer mehr Menschen gehen zur Grünen Woche. Über 350.000 Besucher wurden 2026 gezählt, ein Rekord, 40.000 mehr als im letzten Jahr. Zeitweise gab es wegen Überfüllung einen Einlassstopp. Das Vergnügen eines Besuchs der Grünen Woche trifft offenbar den Zeitgeist.

An dem trüben Dienstag, an dem Ihr Berichterstatter die Messe besuchte, waren vor allem Schulklassen, junge Familien und ältere Semester zu sehen. Einem achtjährigen Jungen gefiel so vieles, dass er bei der Aufzählungen seiner Erlebnisse kaum zu stoppen war. Er konnte einen Bagger fahren, hörte viele Ländernamen zum ersten Mal und wollte länger in der Young-Generation-Halle bleiben, wo er die verschiedenen Ausbildungsberufe kennenlernen konnte.

Ein Ehepaar sagte: Wir sind seit 30 Jahren bei der Grünen Woche. Vieles hat sich geändert. Aber wir werden wieder kommen.

Das erste Mal auf der Grünen Woche war – die Bundeswehr….

Foto: BeuronBerlin

Die Bundeswehr passte nur farblich zur Grünen Woche. Aber offenbar nutzten die Bürger in Uniform die Gelegenheit, sich als Teil der Gesellschaft zu präsentieren. Das sind sie ja auch.

Ihr Stand war gut besucht.

Ach ja, noch etwas. Groß gefeiert wurde das Jubiläum auf der Messe nicht. Typisch Berlin.

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