Dies ist der vierte Tag, an dem BeuronBerlin einen Überblick über die Titelgeschichten ukranischer Tageszeitungen gibt. Sie sind wieder sehr unterschiedlich: Es geht um LNG, Spione, den Austausch von Gefangenen und über eine mutmachende Geschichte echter Menschlichkeit.
KI: Europe’s Russian gas imports from key terminal rise 8% year-over-year, watchdog finds
Der Kyiv Independent zitiert eine Analyse der deutschen NGO Urgewald zum europäischen LNG-Markt. Nach der Einstellung aller Pipeline-Importe von russischem Gas nach Europa ist Russland auf den Export von Flüssiggas (Liquefied Natural Gas LNG) umgestiegen. Und dieser ist im letzten Jahr deutlich gestiegen.
Die ukrainischen Leser und Leserinnen müssen erfahren, dass Europa trotz aller Reden über Sanktionen gegen Russland immer noch zur Finanzierung des Angriffskriegs beiträgt. Im Economist war diese traurige Wahrheit bereits im Dezember zu lesen.
LNG-Tanker vor Rügen/Screenshot: BeuronBerlin
Allerdings hat sich die EU kürzlich verpflichtet, alle russischen LNG-Lieferungen bis 2027 einzustellen.
Nakopilo: СБУ затримала викладачку, що наводила удари по Харкову (Der ukrainische Geheimdienst hat eine Lehrerin verhaftet, die Ziele für russische Angriffe in Charkiw übermittelte)
Die lokale Zeitung in Charkiw berichtet heute auf ihrer Titelseite über einen kaum zu glaubenden Verrat. Eine 61-jährige Englischlehrerin aus Charkiw fotografierte bei ihren Spaziergängen durch die Stadt mögliche Angriffsziele für russische Drohnen und Artelleriegeschosse und sendete die Standortdaten über Telegram an einen russischen Geheimdienstoffizier.
Die Frau wurde gestern verhaftet. Ihre Schwester, die in Russland für den FSB arbeitet, hatte sie angeworben.
Screenshot vom Handy der russischen Spionin/Nakopilo
PBO steht für Протиповітряна оборона, also eine Luftabwehrbatterie. Zusammen mit dem Foto schickte die Frau den Hinweis:“Hier in der Nähe ist die Luftabwehr stationiert.“ Wie tief muss man gesunken sein, um in seiner eigenen Stadt einen solchen Verrat zu begehen?
UP: Состоялся обмен: из плена удалось вернуть 157 украинцев (Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kehrten 157 Ukrainer zurück)
Nach einer längeren Pause kam es wieder zu einem Gefangenenaustausch. In der Meldung heißt es, dass sich 139 der 157 freigelassenen ukrainischen Staatsbürger seit 2022 in russischer Gefangenschaft befanden. Darunter befinden sich Soldaten, die 2022 bei der Verteidigung des Kernkraftwerkes in Tschernobyl in Gefangenschaft gerieten.
Foto: Ukrainskaja Pravda
Die russische Seite hat ihrerseits vor allem Strafgefangene und Tschetschenen austauschen wollen: „Das Hauptkriterium des russischen Verteidigungsministeriums für die Auswahl derjenigen, die im Rahmen eines Austauschs zurückgeschickt werden sollen, ist unverändert: Es handelt sich um Soldaten, die problemlos wieder an die Front geschickt werden können, sowie um Vertreter der privilegierten Kaste der russischen Armee – Kadyrows Männer.“
Zachid.net: Памʼять не має національності (Das Gedenken hat keine Nationalität)
Die Lokaljournistin Orisya Shiyan aus Lemberg berichtet in der heutigen Ausgabe über eine polnisch-ukrainische Initiative zur Pflege alter Friedhöfe in der Ukraine. Die Initiative geht von Szymon Modziewski aus, der vor 40 Jahren mit dieser Arbeit angefangen hat. Vor dem Hintergrund des menschenverachtenden Kriegs Putins gegen die Ukraine gibt ein solches Handeln jedem ein wenig von dem Glauben an das Gute im Menschen zurück.
Szymon Modziewski (in der Mitte)/Foto: Zachid.net
Wer sich für diese menschliche Geschichte in der unmenschlichen Gegenwart des Krieges interessiert, kann sie hier vollständig nachlesen. Jeder Browser hat heute eine Übersetzungsfunktion für die Originalsprache Ukrainisch.
Ein Zwischenergebnis des Projektes von BeuronBerlin ist, dass die ukrainische Presselandschaft sehr vielseitig und interessant ist. Trotz des seit vier Jahren andauernden Krieges lebt die ukrainische Zivilgesellschaft.
Слава Україні!

