Mit diesem Beitrag beginnt BeuronBerlin eine Serie über den Tourismus in Beuron. Ihr Berichterstatter lebt seit 25 Jahren in der Gemeinde. Der Tourismus war immer ein Thema, über das die Einheimischen kontrovers diskutiert haben. Wie damit umgegangen werden soll, ist durch eine aktuelle Initiative einer Beuroner Gemeinderätin wieder in der Diskussion.
Beuron ist seit der Kommunalreform von 1974 eine Gemeinde mit den fünf Ortsteilen Beuron, Langenbrunn, Hausen i.T., Neidingen und Thiergarten. Die Gemeinde rangiert heute am untersten Ende sozialer und wirtschaftlicher Statistiken, nicht nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit.
Der Niedergang erfolgte vor allem in letzten zwanzig Jahren.
Während andere touristisch attraktive Gebiete in dieser Zeit mit Tourismus Wohlstand erarbeitet haben, bringt er in der Gemeinde Beuron kaum Jobs und Gewerbesteuern.
Woran liegt das?
Der erste Beitrag zum Tourismus in Beuron ist eine Bestandsaufnahme.
Viele Touristen in Beuron
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es in Beuron keinen Mangel an Touristen gibt. Im Gegenteil, die Gemeinde mit weniger als 650 Einwohnern hat jährlich zehntausende Besucher.
Die einzigartige Landschaft und die Bekanntheit des Beuroner Benediktiner-Klosters ziehen viele Menschen an.

Kloster Beuron/Foto: Elke Wetzig
Die amtliche Statistik weist für die Gemeinde Beuron im Jahr 2024 rund 46.000 Übernachtungen aus. Hinzu kommen nach Schätzungen jährlich mindestens 200.000 Tagestouristen, die überwiegend mit dem Auto oder dem Fahrrad durch die Gemeinde rollen.
Das Kloster zog schon vor mehr als 100 Jahren viele Pilger und Touristen in das Obere Donautal. Die meisten verbrachten Zeit in den Hotels und Herbergen im Ort, die ganzjährig gut gebucht waren.
Ein einfallsreicher Hotelier betrieb in der Zeit sogar erfolgreich eine Heilbadeanstalt in Beuron.
In der Gegenwart zieht sich an sonnigen Tagen eine scheinbar endlose Autoschlange durch die Gemeinde, darunter Oldtimer-Rallyes, Cabrio-Freunde und andere, die die wilde Landschaft im Vorbeifahren genießen.
Der Donauradwanderweg entlang der Donau ist so stark befahren, dass Wanderer auf ihm keinen Platz mehr haben.
Verkehr als Ärgernis
Das hohe Verkehrsaufkommen hat dazu geführt, dass viele Beuroner nicht gut auf Tourismus zu sprechen sind.
Besonders die Motorradfahrer sind ein Ärgernis, wenn sie mit ihren Rennmaschinen im Donautal Lärm produzieren. Da es sich zwischen Thiergarten und Beuron um einen schönen und kurvenreichen Straßenabschnitt handelt, kann ihre große Zahl nicht überraschen.

Zu viele Touristen/Foto: Vincent van Zeijst
Der größte Parkplatz der Gemeinde befindet sich im Ortsteil Beuron vor dem Kloster. Er ist in den Sommermonaten regelmäßig überfüllt und zeugt von der großen Attraktivität des Benediktinerklosters.
Zahlreiche Menschen suchen das Obere Donautal aber wegen seiner spektakulären Felsformationen auf, die es hierzulande selten zu sehen gibt.
Für Kletterer ist das Angebot riesig, bis zu höchsten Schwierigkeiten ist alles geboten.
Touristen kommen also in großer Zahl, ob man will oder nicht. Warum verdient Beuron dann nichts mit dem Tourismus?
Begrenztes Angebot
Die Antwort ist einfach: Die meisten Besucher von Beuron sind Tagestouristen, die nur wenige Stunden in der Gemeinde verbringen.
Die, die hier übernachten wollen, treffen auf ein bescheidenes touristisches Angebot.
Die angebotenen Unterkünfte sind überwiegend im Niedrigpreissegment angesiedelt.
Die größten touristischen Betriebe sind der Zeltplatz in Hausen, die Fässer auf dem Parkplatz in Beuron sowie die Gruppenunterkünfte in Hausen und Langenbrunn.

Campingfreunde/Foto: Wikipedia
Darüber hinaus gibt es für Touristen kaum Gelegenheit, in der Gemeinde Beuron Geld auszugeben.
Die Nahversorgung ist verschwunden, der Metzger in Beuron hat aufgehört, Gaststätten sind knapp.
Von Seiten der Kommune wird außer einem Broschüren-Ständer im Rathaus und einem gelegentlich besetzten Telefon im Rathaussekretariat nichts für den Tourismus getan.
Entsprechend ist die Aufenthaltsqualität in den öffentlichen Räumen von Beuron gering. Die Ortsmitte von Hausen, dem größten Ortsteil von Beuron, ist eine Asphaltwüste.
Selbst eine durchgängige Beschilderung fehlt.
Das scheint sich herum gesprochen zu haben. Denn in den letzten beiden Jahrzehnten stagniert die Gesamtzahl der Übernachtungen in der Gemeinde.
Während Camping und Co. durchaus Zuwächse verzeichneten, sind die klassischen Ferienwohnungen kaum noch gefragt.
Abwärtsspirale
Dieser Trend schlägt sich in der amtlichen Statistik nieder. Die Verweildauer der Touristen in der Gemeinde Beuron in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich gesunken.
Wenn „früher“ eine Familie mit Kindern ein oder zwei Wochen in einer privaten Ferienunterkunft im Donautal Urlaub machte, ist der typische Tourist heute ein Selbstversorger, oft mit Wohnmobil, und zieht schnell weiter.
In der Beuroner Gastronomie ist so eine negative Spirale in Gang gekommen: Die Zahl der Übernachtungsgäste ist ungefähr gleich geblieben, aber immer weniger nutzen den Aufenthalt für Restaurantbesuche.
Da viele Übernachtungen im Niedrigpreissegment nur im Sommer angeboten werden, ist die Gastronomie mit einer kurzen Saison konfrontiert, die auch bei zeitweiser Vollauslastung keine wirtschaftliche Betriebsführung ermöglicht.
Von der Nachfrage der Einheimischen kann in Beuron kein Gastronom leben.
Im Ergebnis ist das gastronomische Angebot in Beuron zeitweise völlig verschwunden. Außer einer kleinen Hüttenwirtschaft in Neidingen, die von BeuronBerlin auf pro bono-Basis betrieben wird, gibt es während der Wintermonate in keinem der fünf Ortsteile die Möglichkeit der Einkehr.
Was nun?
Die Situation des Tourismus in Beuron lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Es mangelt nicht an der Zahl der touristischen Besucher in der Gemeinde. Touristische Angebote sind ausschließlich privater Natur. Sie beschränken sich auf das Niedrigpreis-Segment und sind größtenteils saisonaler Natur.
Die Entwicklung zu immer kürzeren Aufenthalten der Besucher in Beuron hat die Gastronomie weitgehend ausgetrocknet.
Die verbleibenden Restaurants sind in der kurzen Saison von Tagesgästen überlaufen; auf das gesamte Jahr gerechnet ist ihre Profitabilität gering.
Die Verwaltung hat bisher wenig zur Gestaltung des Tourismus unternommen.
Dabei ist offensichtlich, dass eine kleine Gemeindeverwaltung keine großen Sprünge machen kann.
Auch wenn sie Interesse an einem intelligenten Umgang mit den vielen Touristen im Ort hätte, wäre die Gemeinde in der Praxis auf übergeordnete Strukturen angewiesen.

Urlaub/Illustration: CreativeCanvasShop/Pixabay
Da ist das Landratsamt Sigmaringen zu nennen. Das Amt kann der Gemeinde Beuron zwar keine Vorgaben machen. Es ist aber als Kreisverwaltung, Wirtschaftsförderer und Koordinator regionaler Tourismusstrukturen keineswegs unbeteiligt.
Wenn sich eine Gemeinde mit erheblichem touristischem Potenzial dauerhaft schwach entwickelt, stellt sich deshalb nicht nur die Frage nach der Verantwortung der Gemeinde, sondern auch danach, welche Unterstützung vom Landkreis ausgeht.
Ob die Mitfinanzierung der Donaubergland GmbH durch das Landratsamt Sigmaringen ausreichend für die Entwicklung Tourismus in Beuron ist, erscheint fraglich.
Die jüngste Initiative einer Beuroner Gemeinderätin, soll zu Gründung eines Tourismus-Vereins führen.
Solche Vereine funktionieren, wie man andernorts sehen kann, nur unter bestimmten Voraussetzungen.
In Beuron hat es in den letzten 20 Jahren bereits zwei Tourismus-Vereine gegeben.
Beide sind kurz nach der Gründung wieder aufgelöst worden.
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Die nächste Folge der Berichte über den Tourismus in Beuron wird sich mit der überregionalen Vermarktung des Naturparks Oberes Donautal befassen.

