Was tun, wenn Telefon, Mobilfunk und Internet ausfallen? Das Neidinger Zivilschutz-Team baut ein System für die Notfallkommunikation

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Das Beitragsbild zeigt einen Mann, der in den ersten Tagen der Flutkatastrophe im Ahrtal musizierte, um den betroffenen Menschen Mut zu machen. Ohne Strom gab es keine andere Musik.

Der Ausfall der Kommunikation war, so ein Ergebnis eines Untersuchungsausschusses, das zentrale Problem bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Ohne Strom ging fast nichts.

Das deutsche Zivilschutzkonzept setzt auf professionelle Hilfe durch die Feuerwehr und die großen Hilfsorganisationen wie die Caritas und das Technische Hilfswerk (THW). Mehr als drei Millionen ausgebildete Freiwillige sorgen dafür, dass im Fall des Falles die Unterstützung nicht weit ist.

Aber wie erreicht man einen dieser Helfer, wenn Telefon, Mobilfunk und Internet ausgefallen sind? 

Ein Neidinger Mitbürger, der früher Radartechniker bei der Bundeswehr war, hat eine Lösung gefunden. Sie wird Anfang 2026 von dem Neidinger Zivilschutz-Team umgesetzt.

Das Problem

In überregionalen Notlagen sind in der Regel die lokalen Feuerwehren die nächsten erreichbaren professionellen Helfer. Die Feuerwehr verfügt mit dem so genannten BOS-Funk über ein Kommunikationsnetz, das auch bei flächendeckendem Stromausfall funktioniert.

Das Behörden-Netz läuft auch ohne die normale Stromversorgung mindestens 72 Stunden. Wenn ein Hubschrauber wegen einer medizinischen Notlage angefordert werden muss, kann die Feuerwehr trotz Stromausfall agieren.

Aber wie können Privatpersonen auf dem Land mit der Feuerwehr in Kontakt treten, wenn die üblichen Kommunikationswege nicht funktionieren?

In einer Gemeinde wie Beuron mit fünf Teilorten entlang der Donau ist das nicht so einfach. Neidingen liegt zum Beispiel etwa zwei Kilometer östlich von Hausen i.T., wo sich der nächste Feuerwehrstützpunkt befindet.

Mit dem Auto oder mit dem Fahrrad erreichbar. Aber wie oft ist das machbar, was bei knapper Zeit?

Rauchzeichen/Gemälde von Frederic S. Remington (1861-1909)

Eine Situation wie im Ahrtal ist für viele weit weg. Aber angesichts der Entwicklungen in der Welt, die erstmals seit 80 Jahren auch den Frieden in Deutschland bedrohen, ist ein wenig Vorsorge kein Fehler.

Eine europäische Lösung für Notfallkommunikation

Die französische IT-Firma Cycleo SAS mit Sitz in Grenoble hat Anfang der 2010er Jahre unter der Bezeichnung „Meshcore“ ein Protokoll für den Austausch von Textnachrichten geschaffen, der ohne Internet, Mobilfunk und Telefon funktioniert. Es ist Open Source, d.h. jeder kann es kostenlos nutzen.

Ohne in technische Details zu gehen: Für die Übermittlung von Nachrichten werden bei Meshcore Funkfrequenzen verwendet, die in Europa frei sind. Es handelt sich um „Long Range (LoRa)“-Verfahren, die für den Datentransfer im „Internet der Dinge“ Verwendung finden.

Dort geht es darum, möglichst sicher und kostengünstige Daten von irgendwo angebrachten Sensoren, die z.B. den Füllstand eines Wassertanks anzeigen, abzurufen.

Webseite der Netze BW

Die Stuttgarter Netze BW ist einer der deutschen Förderer des so genannten LoRaWAN-Standards, um intelligente Gebäudesteuerungen und ähnliches anzubieten. Er basiert auf demselben Übertragungsstandard wie Meshcore.

Meshcore in Neidingen

Das Zivilschutz-Team in Neidingen ist seit Ende 2025 dabei, ein MeshCore-Netzwerk für Neidingen und Hausen i.T. aufzubauen. Es kommt ohne zentrale Infrastruktur wie Internet oder Mobilfunk aus und läuft auf einfachen, stromsparenden Geräten. Damit wird eine zuverlässige und stark verschlüsselte Kommunikation zwischen Neidinger Bürgern und der Feuerwehr in Hausen i.T. ermöglicht.

Wer sich daran beteiligen möchte, braucht nicht viel.

Es sind drei Dinge: die Meshcore-App auf einem  Smartphone (kostenlos), ein Meshcore-Companion (ca. 35 Euro) und eine kurze Einweisung durch das Zivilschutz-Team (kostenlos).

Zwei Meshcore-Companians/Zusammengebaut in Neidingen

Die Feuerwehr in Hausen i.T. soll einen Meshcore-Companion erhalten, der für die Notfallkommunikation mit Neidingen im Feuerwehrhaus liegt.

Wenn es notwendig wird, schaltet der Teilnehmer am Meshcore-Netz seinen Companion an. Anschließend kann er in der Meshcore-App auf dem Smartphone Textnachrichten an Einzelne oder an Alle versenden. Alle, die mit dem Meshcore-Netz verbunden sind, können Nachrichten senden und erhalten.

Was außerhalb eines Notfalls banal klingt, kann in besonderen Situationen von größtem Nutzen sein. Hoffen wir alle, dass es nicht dazu kommt.

Mehr Information

Das Angebot der Notfallkommunikation in Neidingen ist eine freiwillige Initiative, die von BeuronBerlin unterstützt wird. Es gibt keine kommerziellen Interessen.

In der Neidinger Fallhütte werden zukünftig bei Bedarf Informationsveranstaltungen zum Zivilschutz angeboten. Dabei können Bürger eine Schulung für die Meshcore-Notfallkommunikation erhalten. Sie dauert etwa fünf Minuten.

Bei allen Fragen steht BeuronBerlin zur Verfügung.

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