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Es macht Beuron besser.
Eine Pizza, Snacks, eine Zahnbürste, ein Apfel? Jetzt kann jeder, der ein Smartphone hat, rund um die Uhr in Neidingen, einem Ortsteil der Gemeinde Beuron, Lebensmittel, Drogerieartikel und Haushaltswaren kaufen. Insgesamt etwa 200 Artikel.
Genau vor 100 Jahren war das schon einmal möglich. Der nächste Laden ist heute mehr als 11 Kilometer entfernt.
Nach Jahren des Niedergangs wird Beuron für junge und ältere Menschen etwas attraktiver. Das Rezept: weniger subventionierte Projekte für einzelne, dafür mehr Projekte wie ein Dorfladen, der allen zugutekommt.
Lustiges Projekt
Zwischen der Idee, einen Dorfladen zu eröffnen und der Eröffnung liegen 18 Monate. Meine Mitstreiter und ich hatten viel zu lachen.
Im Dorfladen gibt es auch eine kleine Leihbibliothek. Die Bücher sind für alle Altersgruppen, angefangen bei den ganz Kleinen.
Zuletzt haperte es nur an der Software. Diese musste verändert werden, weil es in Neidingen keinen mobilen Datenempfang gibt, sondern nur (schnelles) WLAN.
Dazu musste die Software für die Zutrittskontrolle aufwendig umprogrammiert werden.
Leerstand als Plus
Der Platz war kein Problem. In der Gemeinde Beuron gibt es nicht nur massenhaft Leerstand an Wohnungen und Häusern, sondern auch Garagen, die sich als Dorfladen eignen. So bei mir gegenüber der Neidinger Fallhütte.

Foto: BeuronBerlin
Früher hatte ich mir nie vorstellen können, ein Garagentor zu installieren. Dank YouTube kann ich das Garagentor jetzt immerhin abbauen.
Bauantrag erforderlich
Erst mussten Formalien geklärt werden. Meine Vorstellung, man könne ohne besondere Genehmigung eine Garage in einen Dorfladen umbauen, erwies sich als falsch. Als gesetzestreuer Bürger hatte ich bei dem Baudezernat des Landratsamtes Sigmaringen nachgefragt. Ein Bauantrag ist erforderlich, im Detail handelt es sich um einen Antrag für Umnutzung.

Quelle: BeuronBerlin
Leider konnte ich die erforderlichen Eingabe beim Elektronischen Bauamt, das gut funktioniert, nicht selbst vornehmen. Ich musste einen Architekten beauftragen.
Der Bingener Architekt Christoph Pahl übernahm den Auftrag, wie schon bei der Fallhütte. Sehr empfehlenswerter Mann. Das Landratsamt arbeitete seinen Antrag schnell ab.
Parkplatz vs. Verkaufsfläche
Aber auch meinen Architekten überraschte die Forderung des Bauamtes nach vier Autostellplätzen für den Dorfladen. Überspitzt gesagt, für eine Verkaufsfläche von 20 qm ist eine Parkplatzfläche von 40 qm vorgeschrieben und nachzuweisen.
Ich verwette meinen Hut, dass niemals vier Autofahrer gleichzeitig im Dorfladen in Neidingen einkaufen werden.

Parkplatz vor dem Dorfladen/Foto: Moinzon auf Pixabay
Aber sei es drum. Zum Glück gibt es auf dem Land viel Platz, auch für überflüssige Parkplätze.
Software machts möglich
In einer entlegenen Gegend wie dem Oberen Donautal kann ein Dorfladen nicht mit großem Personalaufwand betrieben werden.
Die Allgäuer Firma Lokbest hat ein Konzept für Dorfläden entwickelt, das praktisch ohne Personal auskommt.
Wer etwas einkaufen möchte, muss nur die Lokbest-App herunterladen. Nach der Registrierung wählt der Kunde den gewünschten Laden aus. Dann kann er sehen, was es dort zu kaufen gibt.
Im Laden selbst kann er mit einem QR-Code einchecken. Bei der Auswahl der Artikel scannt der Kunde dann den Preis ein. Am Ausgang steht ein Terminal zum bargeldlosen Bezahlen.
Einfacher geht es kaum.

Quelle: Lokbest
Lokbest hat bereits fast 100 kleine Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit seiner Lösung ausgestattet. Das Start-up ermöglicht mit seiner kostengünstigen Lösung die Rückkehr des Einzelhandels in die kleinen Orte.
Sortiment von REWE
Der REWE-Supermarkt in Stetten a.k.M ist der Lieferant eines großen Teils der Produkte im Dorfladen bei der Fallhütte. Ich nutze eine Einkaufs-App, um alle Bestellungen zu sammeln. Je nach Abverkauf fahre ich drei bis vier Mal im Monat nach Stetten, um die Einkäufe abzuholen.
Das wird überflüssig, wenn eine Transportdrohne das übernehmen kann. Deutschland ist bei solchen Technologien weit hinterher. Aber wenn es sich solche Drohnen in der Welt durchgesetzt haben, gibt es Hoffnung für den Einsatz hier.

Foto: BeuronBerlin
Natürlich muss ich einen kleinen Aufschlag auf meine Einkaufspreise berechnen, sonst gibt es Ärger mit dem Finanzamt. Wer einen Wocheneinkauf macht, fährt also weiter mit dem Auto in eine Stadt.
Aber wenn mal etwas fehlt oder überraschend Gäste kommen, ist man mit dem Dorfladen gut bedient. Der nächste Supermarkt ist laut Google-Maps 11.247 Meter entfernt. Das sind hin und zurück 22 Kilometer und mindestens 30 Minuten Zeitaufwand.
In solchen Situationen lohnt es sich, im Dorfladen Milch zu kaufen, die dort etwas mehr kostet. Oder eine Tiefkühlpizza. Zielkunden sind Touristen, die sich selbst versorgen wollen, Radler und Wanderer.
Einfach machen!
Der Dorfladen bei der Neidinger Fallhütte hat keinen Cent an Subventionen gekostet. Darauf bin ich stolz.
Das Projekt hat einen Riesenspaß gemacht. Viele neue Kontakte entstanden. Einiges habe ich lernen können. Zum Bespiel müssen in den Kühlschränken eines Lebensmitteleinzelhandels Thermometer mit Min-Max-Anzeige liegen, um sicherzustellen, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wurde.
So ein Projekt wie meines ist im Grund überall zu realisieren.
Aber vor allem darf man sich von den Angehörigen der Lehmschicht nicht entmutigen lassen. Hier in Beuron gab es eine Gemeinderätin, die schon den Vorschlag eines Dorfladens im Ort für Quatsch hielt. Sie jagte mich buchstäblich vom Hof.
Zum Glück wurde sie nicht wiedergewählt.
Aber ihrem Mann und ihren Kindern hat sie vermutlich verboten, jemals den tollen Dorfladen bei der Neidinger Fallhütte zu betreten😉.
Zur offiziellen Einweihung des Dorfladens am Samstag, den 6. Dezember 2025, verschicke ich noch eine Einladung.


Glückwunsch für die gelungene Initiative.Wir haben hier am Rhein in Königswinter viel Leerstand und gleichzeitig auch Defizite an Wohnraum.
So haben wir nun als Bürger ein Leerstandsgebäude gekauft um eine gemeinschaftliche Nutzung für uns Bürger zu schaffen.
Phantasie und Gestaltungswille ist bei den Kommunalpolitikern oft wenig zu finden- oder geht in Vorschriften etc verloren.
Grüße aus Königswinter
A. F