Für die Leser außerhalb Beurons: Ihr Berichterstatter besitzt seit 25 Jahren Immobilien im Ort und hat fast zwei Jahrzehnte ein Dorffest organisiert. Er ist also ein kenntnisreicher Zugezogener ohne Mitspracherecht.
In Beuron, genauer gesagt, im Ortsteil Neidingen der Gemeinde Beuron zu leben, ist ein Privileg. Die Natur ist herrlich. Trotz Tallage gibt es viel Sonne, und wer ein Haus am Fuße des Reiftals hat, kann eine Stille geniessen, die nur von Vögelstimmen und dem Bellen der Rehe unterbrochen wird.
Es gibt zwar kein Kino, kein Theater und kein Museum, aber für Spass ist gesorgt. Die lokale Obrigkeit, derzeit durch einen schweigsamen Landwirt aus einer Großfamilie repräsentiert, produziert Schildbürger-Streiche, die bester Unterhaltungsstoff sind.
Die Geschichte vom „Mitfahrer-Bänkle“
Wer denkt, die Geschichte vom „Mitfahrer-Bänkle“ sei erfunden, irrt. Sie ist wahr und aktuell im Sommer 2026.
Der Hintergrund ist schnell erzählt. Der ÖPNV ist in der Beuron nur begrenzt ausgebaut. Für eine Gemeinde mit weniger als 650 Einwohnern und fünf Ortsteilen entlang der Donau ist das Angebot nicht schlecht. Aber es kann zwei bis drei Stunden dauern, bis ein Bus kommt.
Am Abend gibt es praktisch keine Verbindungen.
Was liegt näher als bei den Bushaltestellen Schilder anzubringen, die durchfahrende Nachbarn oder andere Autofahrer auf Mitfahrwillige aufmerksam zu machen. Gerade in ländlichen Gemeinden.
Laut Wikipedia gibt es das heutige Konzept der Mitfahrer-Haltestelle in Deutschland seit 2014 in nennenswerter, kommunal organisierter Form. Die ersten Mitfahrbänke soll es in dem Ort Speicher in der Eifel/Rheinland-Pfalz gegeben haben.
Den Vorschlag, in Beuron Mitfahrer-Haltestellen einzurichten, brachte ein Einwohner in der Bürgerfrageviertelstunde (so heißt das wirklich) Ende 2024 ein.
Der Gemeinderat lehnte den Vorschlag im Frühjahr 2025 nach langer Diskussion mit abstrusen Argumenten mehrheitlich ab. So stand es im Amtsblatt.
Die Haltestellen mit neuen „Bänkle“ würden Tausende Euro kosten. Außerdem sei die Versicherungsfrage ungeklärt, usw. Alles barer Unsinn.
Als ein für Verkehr im Landratsamt Sigmaringen Verantwortlicher davon hörte, sagte er: „Da fehlen einem die Worte.“
Beuron im Sommer 2025
In der Neidinger Fallhütte, einer kleinen Gartenwirtschaft, kommen oft Wanderer vorbei (BeuronBerlin ist der Betreiber). Darunter war ein Ehepaar aus dem Bayerischen. Im Gespräch mit ihnen kam heraus, dass sie sich über die fehlenden Mitfahrer-Gelegenheiten wunderten.
Diese seien bei ihnen überall auf dem Land verbreitet.
Daraufhin bat BeuronBerlin in einer E-Mail an den Landwirt, die Ablehnung der Bänke in Beuron zu überdenken. Man könne auf neue Bänke verzichten, wenn man die Banke der vorhandenen Bushaltestellen verwende.
Die Versicherungsrisiken seien im Übrigen für Mitfahrer von Automomilisten seit Jahrzehnten geklärt: Die Haftpflicht des Autofahrers übernehme die Kosten für eventuelle Schäden.
Zurück kam ein positives Feedback.

Um die Sache zu beschleunigen, entwarfen zwei Neidinger Bürger die Schilder und nahmen auch Kontakt mit der Fa. Bremicke-Verkehrstechnik auf, um technische Fragen zur Formatvorlage zu klären.
Alles schien auf einem guten Weg. Auch eine Moderatorin einer privat initiierten Bürgerinitiative nannte solche „Mitfahr-Bänkle“ als Beispiel für bürgernahe Vorhaben ohne großen Kosten.
Sommer 2026: Keine Mitfahrer-Haltestellen
Tatsächlich gibt es bis Ende Mai 2026 keine Mitfahrer-Schilder in der Gemeinde Beuron.
Wieder einmal ist ein Versprechen von unserem Landwirt offenbar nicht umgesetzt worden.

Nach Recherchen von BeuronBerlin schickte die Fa. Bremicke-Verkehrtstechnik am 2. Dezember 2025 ein Angebot für die Herstellung von fünf Schildern für Mitfahrer-Haltestellen.
Insgesamt geht es um weniger als 300 Euro.
Die Firma hat seitdem nichts mehr von Hans-Peter Wolf, dem Landwirt, gehört.
Mehrere Versuche, mit Hans-Peter Wolf persönlich oder über ihm nahestehende Personen zu erfragen, warum die Schilder nicht beauftragt wurden, scheiterten.
Mehrere Bürger vermuten nun, dass es ein „Racheakt“ ist, weil Hans-Peter Wolf wegen der erst auf Druck der Lokalpresse erfolgten Fertigstellung eines Blockheizkraftwerkes in Hausen i.T. verärgert ist.
Dabei musste er als Verantwortlicher wohl selbst Kosten übernehmen.
Die Geschichte vom unfertigen Blockheizkraftwerk war ein anderer Schildbürger-Streich. Der nur durch investigativen Lokaljournalismus nach fünf Jahren im März 2026 ein gutes Ende fand.
BeuronBerlin kann diese Vermutung nicht verifizieren. Außerdem wäre eine solche Reaktion eines Amtsträgers zulasten der Allgemeinheit kindisch. Also warten wir ab, was noch kommt.
Liebe Leser, Sie sehen, es gibt in Beuron nicht nur Natur, sondern auch Kurzweil.
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