Paul Briel – Zeuge einer dunklen Zeit und ein Neidinger Nachbar, der neuen Mitbürgern gegenüber stets freundlich gesinnt war

Seit ein paar Tagen besitzt Neidingen einen Ort des Gedenkens an einen Mann, den ihr Berichterstatter nicht vergessen hat – Paul Briel. Der Name „Briel“ ist in Beuron wohlbekannt. Er gehört zu einer alteingesessenen Großfamilie in der kleinen Gemeinde.

Erstes Treffen

Ihr Berichterstatter traf Paul Briel erstmals im Frühjahr 2003, als er mit seiner damals gerade geborenen Tochter die Fallstraße hinunter zur Donau ging. Paul Briel war damals bereits 69, ich hatte mit meiner Familie im Ort ein altes Haus gekauft. Wir unterhielten uns über dies und das.

In den nächsten Jahren plauderten wir immer wieder einmal, auch mit seiner Frau Helga, wenn ich mit meiner kleinen Tochter unterwegs war.

Irgendwann kam die Sprache auf Dorffeste. So etwas habe es früher in Neidingen gegeben, das letzte Mal sei aber schon mehr als zehn Jahre her, sagte er.

So entstand im Frühjahr 2008 die Idee, das Neidinger Dorffest wieder auferstehen zu lassen. Gesagt, getan.

Neidinger Dorffest

Am 5. Juli 2008, einem warmen Sommerabend fand unter dem großen Baum vor dem Haus von Paul Briel das erste „neue“ Neidinger Dorffest statt. Ohne ihn hätte es nicht stattgefunden.

Paul Briel und der Autor auf dem Neidinger Dorffest 2008/Foto: BeuronBerlin

Wer dabei war, wird sich erinnern, dass jeder seinen eigenen Trinkbecher mitbringen musste. Ebenfalls Getränke und etwas zu essen. Es war ein schönes Treffen.

In den nächsten Jahren war das Dorffest der einzige Termin im Jahr, zu dem sich (fast) alle Neidinger versammelten. Manche Nachbarn sah man buchstäblich nur bei diesem Fest.

Die Atmosphäre war immer freundlich, die Stimmung gut, die Unterhaltung angeregt.

Erinnerungen an die Kindheit

Über die Jahre hielten wir unsere lockere Bekanntschaft aufrecht. Paul Briel kannte als „echter“ Neidinger natürlich alles und jeden. Er ermunterte ihren Berichterstatter auch, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren.

Von den Schultes-Darstellern der letzten Jahrzehnte hielt er nicht viel.

Leider schon sehr geschwächt nahm Paul Briel am 17. November 2019 an der Lesung seiner „Erzählungen“ teil. Es war eine unserer letzten Begegnungen.

Einladung zur Lesung von Paul Briels „Erzählungen“/Foto: BeuronBerlin

Weil seine Stimme nicht mehr stark genug war, lasen die Töchter Gabi und Elli seine Texte vor. Die Fallhütte war während der Lesung so voll, dass viele Besucher stehen mussten.

Was die Zuhörer vorgetragen bekamen, war der Bericht eines lokalen Zeitzeugen, der vieles gesehen und erlebt hat. Still war es, als die Ausgrenzung seiner Familie in den 1940er Jahren zur Sprache kam.

Als kleiner Junge hatte er mitbekommen, wie sein Vater, der offenbar nicht dem damaligen Zeitgeist folgte, das Ziel von Anfeindungen durch Menschen aus der Gemeinde wurde. Auch die Kinder waren betroffen.

Helga, die Ehefrau von Paul, weinte bei der Textstelle.

In der Neidinger Fallhütte vor Beginn der Lesung/Foto: BeuronBerlin

Paul Briel hat die Ausgrenzung seiner Familie noch Jahrzehnte später nicht vergessen.

Ein Vorbild

Ihr Berichterstatter kann nicht sagen, dass Paul Briel ein enger Freund war. Gewünscht hätte er sich das. Doch hat er ihn gut genug kennengelernt, um sagen zu können: Er gehörte zu den Menschen, denen man mit Respekt begegnete.

Dem Gemeinderat vorgeschlagener Paul-Briel-Platz/Foto: BeuronBerlin

Paul Briel hat ein Gedenken verdient, weil er tolerant und freundlich war, und weil er uns daran erinnert hat, wachsam zu sein gegenüber Intoleranz und Ausgrenzung.

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Zur offiziellen Einweihung der Gedenktafel für Paul Briel wird noch eingeladen.

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1 Kommentar
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Hermann

Gut, dass sie Zeitzeugen in Erinnerung bringen

Freue mich auf weitere Berichte

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