Taras Shevchenko hat 1845 das bekannteste Gedicht der Ukraine geschrieben: „Sapowit (Vermächtnis)“

Was Goethe für Deutschland und Puschkin für Russland sind, ist Taras Shevchenko (1814-1861) für die Ukraine. Er war Maler und Lyriker. Geboren als Kind von Leibeigenen im zentralukrainischen Morinzy verlief sein Lebensweg wendungsreich.

Zar Nikolaus I. schränkte damals den Gebrauch der ukrainischen Sprache ein. Für Versuche, Unabhängigkeit vom Zarenreich zu erreichen, gab es harte Strafen.

Das Gedicht „Vermächtnis“ entstand im Dezember 1845, in ukrainischer Sprache. Dieses und andere Gedichte brachten Shevchenko 1847 Festungshaft in St. Petersburg ein. Der Geheimdienstchef warnte den Zaren vor der Macht von Shevchenkos Lyrik:

„Mit der Verbreitung seiner Gedichte in der Ukraine könnten Ideen über die Möglichkeit des Bestehens der Ukraine als eines selbstständigen Staates Wurzeln schlagen.“

Es folgte die Verbannung nach Sibirien, verbunden mit dem vom Zaren selbst verfügten Verbot, dort zu malen und zu schreiben. Erst 1859 durfte er wieder in die Ukraine zurückkehren.

Der Text in Übersetzung

Shevchenko schrieb das Gedicht im Alter von 31 Jahren während einer schweren Krankheit, die ihn um sein Leben fürchten ließ. Später starb er an einem chronischen Herzleiden.

Hier ist das in der Ukraine jedem bekannte Gedicht :

Vermächtnis

Wenn ich sterbe, so bestattet
mich auf dem Grabhügel
mitten in der endlosen Steppe
der geliebten Ukraine,
dass ich endlose Felder,
den Dnjepr, seine Ströme
sehen kann, und hören
das Brausen seiner Fluten.

Wenn sie treiben von der Ukraine fort
ins blaue Meer
das Feindesblut, dann verlass’ ich
Berg und Steppen,
lass´ alles hinter mir und schwinge zu Gott selbst mich auf
will von keinem Gott ich wissen.

Begrabt mich und erhebt euch,
zersprengt die Ketten,
mit der bösen Feinde Blut
öffne sich das Tor zur Freiheit.
und am großen Tag,
am Tag der neuen Freiheit
erinnert euch an mich,
mit guten leisen Worten.

Diese deutsche Version ist eine von Ihrem Berichterstatter überarbeitete Übersetzung von Iwan Franko aus dem Jahr 1882. Unverständliche Erweiterungen des Textes durch Franko wurden herausgenommen, die Sprache klarer.

Das Gedicht in ukrainischer Sprache

Man sollte sich das Gedicht aber in ukrainischer Sprache anhören. Auch dem nicht sprachkundigen Hörer wird deutlich: Das klingt nicht wie Russisch.

Hier ist der Link zu einer gelesenen Version von „Sapowit“.

Quelle: Youtube

In Sprachkursen für Ukrainisch machen die Lehrer und Lehrerinnen ihre Schüler schnell auf ukrainische Gesänge und Gedichte aufmerksam, weil sie als wichtiges kulturelles Erbe gelten.

Das ist die Beobachtung Ihres Berichterstatters, der seit einige Zeit den Podcast „Ukrainianlessons.com“ von Anna Ohoiko hört. Von einer aktiven Beherrschung der ukrainischen Sprache ist Ihr Berichterstatter weit entfernt. Aber „Заповіт hat einen Platz im Gedächtnis gefunden.

 

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