Zufällig fand Ihr Berichterstatter auf Spotify einen neuen ukrainischen Podcast: Вчися Вухами (Lerne mit den Ohren). In dem kostenlosen Podcast können sich Schüler und Schülerinnen die Lektionen für die Klassen 6 bis 11 im Fach Ukrainisch und ukrainische Geschichte anhören. Das Bildungsangebot soll als Download in Zeiten ohne Strom und in Notunterkünften und im Ausland helfen, den Stoff der ukrainischen Schulen zu lernen. Das Projekt wird u.a. vom ChildFund Deutschland finanziert.
Das Besondere war ein Beitrag über die Gedichte von Serhej Zhadan. Das folgende Gedicht las er bei einem Auftritt in der Ostukraine selbst vor.
Ich kannte einen Priester
Ich kannte einen Priester, der in Gefangenschaft war.
Eine Schramme auf der Stirn. Die Hände zerschlagen.
„Telefonate“ in den Opernhäusern von Donezk.
Ein Beute-Opel mit polnischen Kennzeichen.
Und das sagte er mir: Die Kirche
vereint uns alle wie Ziegelsteine,
brennt uns im Feuer, bereitet uns vor.
Auch wenn bei der Vorbereitung der Kunst alles seinen Sinn verliert.
Was er noch sagte: Frage mich am Sonntag –
Und ich werde antworten: Um wiederzukommen, braucht man Glück.
Gerade die Gerechten haben in der Masse kein Glück.
Ich möchte über die Feinde am liebsten in der Vergangenheitsform sprechen.
Frage mich nach der Vergebung – ich habe eine Antwort darauf:
Vergebung setzt voraus, dass ein Teil der Gläubigen – ungläubig ist.
Ich bringe meinen Feinden Blumen an das Grab.
Die Strafe Gottes wird alle ereilen.
Ihr Atheisten versteht das nicht.
Der Krieg hat mich gelehrt, nicht über die Verlorenen zu sprechen.
Mit den Lebendigen ist es besser. Lebende kann man noch retten.
Die Lebendigen haben etwas, was sie nicht zwingt, im Schützengraben zu liegen.
Ich glaube, ihr Atheisten nennt das die Seele.
Manchmal frage ich mich, ob unsere Kinder uns verstehen.
Mein Herz ist leicht und meine Arme sind offen.
Meine Liebe reicht für alle.
Auch für die, die mich töten wollen.
Aber ich werde ihnen sagen, was sie nach ihrem Tod erwartet.
Aus: „Die Templer“ von Serhij Zhadan (2016)
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BeuronBerlin hat das Gedicht aus dem Ukrainischen nach bestem Wissen übersetzt. Sollten bei der Übersetzung Urheberrechte verletzt worden sein, bitte melden.

