Der Vertrag, der nicht öffentlich werden sollte – Der Beuroner Grundstücksdeal Teil 1

BeuronBerlin veröffentlicht wie angekündigt die Geschichte des Kaufvertrags, der dem Beuroner Grundstücksdeal zugrunde liegt. Die Verantwortlichen wollten ihn geheim halten. Die unmittelbar Beteiligten an dem Deal haben eine Stellungnahme bis zum Erscheinen dieses Beitrags abgelehnt.

Der für den Vertragsinhalt hauptverantwortliche Osmakowski-Miller teilte am 23. Juni 2026 mit seiner offiziellen Bad Saulgauer E-Mail-Adresse auf Anfrage nur mit: „Grundsätzlich sind Grundstücksangelegenheiten geheim zu behandeln.“ Man solle hierzu die Gemeindeordnung lesen.

Der aktuelle Bad Saulgauer Bürgermeister hat sie offenbar selbst nicht gelesen.

Grundstücksdeal warum?

Warum Osmakowski-Miller im Jahr 2019 beschloss, ein Neubaugebiet im Ortsteil Beuron zu schaffen, ist bis heute unklar.

Konkret wollte er am „Am Anselm-Schott-Weg“ auf einer Ackerfläche von 12.300 qm 16 Bauplätze schaffen. Die Fläche gehörte dem Kloster Beuron. Als Begründung ließ Osmakowski-Miller im November 2019 in den Bebauungsplan schreiben:

„Die freiwerdenden Wohnbaupotentiale im Ortsteil Beuron sind…für den dringenden Bedarf der Gemeinde nicht ausreichend.“

Dabei gab es in der Bauleitplanung der Gemeinde ausreichend ausgewiesene Neubauflächen in Thiergarten, dem westlichen Ortsteil der Gemeinde.

Von Thiergarten aus sind es nur sechs Kilometer zu Schulen, Supermärkten, Banken und Ärzten. Im Ortsteil Beuron, 15 km donauaufwärts, gibt es weit und breit keinerlei Infrastruktur.

Osmakowski-Miller nahm trotzdem in der Bauleitplanung der Gemeinde den Flächentausch vor. Das Bauerwartungsland aus Thiergarten wurde aus der Planung herausgenommen, der Acker in Beuron aufgenommen.

Um dann die Ackerfläche vom Kloster Beuron zu kaufen.

Von Anfang an umstritten

Das Kloster Beuron erfuhr durch diesen Tausch eine deutliche Wertsteigerung seiner Ackerfläche. Aus einem Bodenrichtwert von 0,50 Euro bis 1,00 Euro wurden 10 Euro gemacht.

Welcher Eigentümer in Thiergarten auf der anderen Seite einen entsprechenden Wertverlust hinnehmen musste, hat Hans-Peter Wolf, Freund und Nachfolger von Osmakowski-Miller, trotz mehrfacher Nachfrage nicht bekanntgeben wollen.  

Auch die Frage, ob es für den „Verlierer“ in Thiergarten irgendeine Kompensation gab, wollte Hans-Peter Wolf nicht beantworten.

Kein Bedarf an Bauplätzen

Der Gemeindeverwaltungsverband Sigmaringen veröffentlichte im März 2021 eine Änderung des Flächennutzungsplan in Beuron:

„Da für die Gemeinde Beuron …kein Wachstumsbedarf nachgewiesen ist, wird zum Ausgleich des neuen Wohnbaulandes (im Ortsteil Beuron) eine bisher geplante Wohnbaufläche in Thiergarten zurückgenommen.“

Diese Aussage von Dr. Marcus Ehm, dem Vorsitzenden des Gemeindeverwaltungsverbandes Sigmaringen, steht in klarem Widerspruch zu der Behauptung eines „dringenden Bedarfs“ an Bauflächen in der Gemeinde.

Überhaupt: Die Gemeinde Beuron hat mit etwa 11 Prozent einen der bundesweit höchsten Wohnungsleerstände. Überall gibt es leere Wohnungen und Häuser, die zum Verkauf stehen. Vor allem im Ortsteil Beuron. Und auch freie Bauplätze.

Ist das keiner Aufsichtsbehörde in Sigmaringen und Tübingen aufgefallen?

Darf man in kommunale Bebauungspläne hineinschreiben, was man will?

Der geheime Vertrag

Am 22. August 2022 trafen sich Osmakowski-Miller und Erzabt Tutilo Burger im Büro des Tuttlinger Notars Harry Setzer, um den Vertrag über den Erwerb der Ackerfläche des Klosters durch die Gemeinde Beuron zu unterschreiben.

Damit schien alles abgeschlossen. Das war ein Irrtum.

Zwei Jahre später, im Sommer 2024, erhielt die Gemeine Beuron die erste Anfrage zur Offenlegung des Kaufvertrags. Auslöser war, dass sich mehrere Beuroner Bürger bei BeuronBerlin über das Projekt beschwerten.

Sie hofften, dass nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Osmakowski-Miller nach seiner Wahl in Bad Saulgau das neue Baugebiet noch zu stoppen war (die Namen sind BeuronBerlin bekannt).

Zunächst schien die Herausgabe des Vertrags eine Formsache, denn eine Behörde darf nur aus Datenschutzgründen und Sicherheitsinteressen amtliche Dokumente geheim halten.

Ein Verein wie der Verein der Benediktiner zu Beuron kann sich nicht ohne Weiteres auf denselben Schutz persönlicher Daten berufen wie eine Privatperson. Und ein Grundstücksgeschäft ist in der Regel nicht sicherheitsrelevant.

Trotzdem versuchte Hans-Peter Wolf die Offenlegung des Vertrags zwischen Gemeinde und Kloster geheim zu halten.

Hat ihn Oskmakowski-Miller unter Druck gesetzt?

im Beuroner Amtsblatt ließ Wolf sogar mitteilen, dass die Kommunalaufsicht des Landratsamtes Sigmaringen keinen Anspruch auf Offenlegung des Geheimvertrags erkennen konnte.

Erst Ende Juli 2025 gab Hans-Peter Wolf seinen Widerstand auf.

Der Stuttgarter Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDI) hatte zwischenzeitlich deutlich gemacht, dass Wolf mit ordnungsrechtlichen Konsequenzen bei weiteren Verzögerungen zu rechnen hatte.

Geld kein Problem?

Wer den Vertrag (er ist hier verlinkt) durchliest, kann verstehen, warum eine öffentliche Debatte über den Kaufvertrag vermieden werden sollte. Denn er ist für den Verkäufer, das Kloster, ungewöhnlich vorteilhaft — und für den Käufer, die Gemeinde Beuron, ungewöhnlich nachteilig.

Zunächst einmal fällt in dem Vertrag auf, dass Beuron den vollen Kaufpreis von 123.400 Euro für die Ackerfläche im Ortsteil Beuron ohne eine Finanzierung an das Kloster Beuron überwiesen hat. Geld war offenbar in der Kasse.

Dabei ist in den Gemeinderatssitzungen immer die Rede davon, man habe kein Geld.

Der Preis von 10 Euro/qm für ein Stück Acker, das man vor der Umwandlung in Bauerwartungsland für 1 Euro/qm hätte erwerben können, ist eine Sache. Die andere bemerkenswerte Sache ist die Rückkaufoption und ihre Ausgestaltung.

Option zur Grundstücksspekulation

Osmakowski-Miller räumte dem Kloster das Recht ein, die drei besten Grundstücke zum fixen Preis von 30 Euro/qm zurückzuerwerben.

Dabei muss das Kloster die Grundstücke nicht bebauen. Der sogenannte Bauzwang, der verhindert, dass gewöhnliche Erwerber kommunale Bauflächen zur Grundstücksspekulation erwerben, gilt also nicht.

Im Umkreis von 20 km um Beuron herum beträgt der Quadratmeterpreis für gute Grundstücke schon heute um die 200 Euro (abzüglich Erschließungskosten von ca. 60 bis 80 Euro/qm).

Eine einfache Grundstückssuche bei Immoscout24 zeigt, dass vergleichbare Baugrundstücke in der Region zu diesen Preisen angeboten werden.

Bei einem fixen Rückkaufpreis von 30 Euro/qm und einem deutlich höheren Verkaufspreis für Grundstücke dieser Art in den Donauauen und vor der Kulisse des überregional bekannten Beuroner Klosters kann der Optionsinhaber auf einen erheblichen Gewinn spekulieren.

Einen Gewinn, der auf der anderen Seite für die Gemeinde Beuron einen Erlösverzicht darstellt.

Je länger das Kloster Beuron das Grundstück hält, desto wahrscheinlicher wird eine weitere Preissteigerung. Die drei Grundstücke sind eine Art Sparbüchse, die immer voller wird.

Das Kloster Beuron hat eine Stellungnahme zu diesem Thema nicht beantwortet.

Keine Fragen?

Leider ist der zu erwartende finanzielle Schaden für die Gemeinde nicht alles.

Die Ein- und Mehrfamilienhäuser unmittelbar an der Donau und vor dem Panorama des alten Ortskerns drohen die historische Ansicht von Beuron für immer zu verschandeln.

So ein Immobilienentwickler, der mit dem Bebauungsplan vertraut ist.

Osmakowski-Miller und Hans-Peter Wolf müssen sich Fragen zum Grundstücksdeal gefallen lassen. Ebenso die Kommunalaufsicht.

Der nächste Teil der Recherche behandelt die Strafanzeige gegen Osmakowski-Miller, die die Staatsanwaltschaft in Hechingen nicht aufgreifen wollte.

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2 Kommentare
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Silvia Kann-Hähn

Hi BeuronBerlin,
wie sieht es eigentlich mit dem Pilgergebäude und den Gregoriushaus aus? Gibt es da neue Entwicklungen? Ich war um 2016 -2020 herum oft im Gregoriushaus und habe dort übernachtet. Ich mag die Gemeinde Beuron sehr, habe die Fleischerei noch erlebt und war immer gerne in der Klosterkirche.
Und ich habe damals Harald Erben kennengelernt und das Hubertushaus.

Viele Grüße aus Königswinter
Silvia

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