Was tun, wenn Du plötzlich erfährst, dass Dein Leben vielleicht bald endet? Lebe gelassen weiter

Drei Tage nach der Notaufnahme in die Klinik haben die Ärzte noch immer keine Diagnose, auf deren Grundlage eine Behandlung geplant werden kann. Das wird noch weitere Tage dauern. Medizin ist nicht Mathematik.

Die Ungewissheit hält an.

Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit geht weiter. Da ist es hilfreich, die Gedanken größerer Geister zu studieren, die ebenfalls darüber sinnierten.

Johann Wolfgang von Goethe hat Ihren Berichterstatter immer fasziniert.

Goethe

In frühen Studientagen erwarb er einen zehnbändigen Sammelband mit den Schriften von Johann Wolfgang von Goethe.

Warum? Der Name machte sich optisch gut im damals noch leeren Bücherregal. Außerdem kosteten die zehn Bände zusammen nur 120 DM und waren 1890 gedruckt worden. Ein Investment in die Zukunft.

Tatsächlich wurde Goethe ein Lebensbegleiter.

Als es um die große Liebe ging („Die Leiden des jungen Werther“, das Gedicht „Gefunden“ für Christiane Volpius), um Erkenntnistheorie (die „Farbenlehre“, ein teilweise wissenschaftlicher Irrweg), um menschliche Tragik („Faust 1“), und immer als Tageslektüre (z.B. „Wilhelm Meisters Lehrjahre“).

Schon das Leben von Goethe hat Potential, Menschen zu inspirieren. Er war bis zu seinem Tod 1832 ein vielseitig interessierter, aktiver und wohl weitgehend guter Mensch.

Haltung

Goethe war aber kein Brite. Der in schwieriger Lage die Devise „Keep a stiff upper lip!“ befolgt. Also die Oberlippe steif zu halten versuch, wenn sie kurz bevor die Tränen kommen, zu zittern anfängt.

Goethes Ansatz findet Ihr Berichterstatter besser. Sein kurzes Gedicht dazu:

„Mich lässt der Gedanke an den Tod in völliger Ruhe.
Ist es doch so wie mit der Sonne:
Wir sehen sie am Horizont untergehen,
aber wissen, dass sie „drüben“ weiter scheint.“

Wer kann sich noch ängstigen vor dem Ende des Lebens, wenn es ja weitergeht, vielleicht viel besser als vorher. 

Hindus glauben ebenfalls fest an das Weiterleben nach dem Tod.

Goethe hat seine letzten Minuten mit einem Glas guten Weins in der Hand verbracht. Das klingt doch nicht schlecht.

Ängste

Angst hatte Goethe nur vor einem mit Schmerzen verbundenen Tod.  Angesichts der damals geringen medizinischen Kenntnisse der zeitgenössischen Ärzte eine begründete Furcht.

Die heutige Medizin in einem Land wie Deutschland nimmt einem die Angst vor anhaltenden Schmerzen.

Und da gibt es Leute, die behaupten, es gäbe keinen Fortschritt, der den Menschen zugute kommt. Sterile Spritzen, dünne Kanüle und wirksame Schmerzmittel sind nicht zu unterschätzen.

Was kann einen dann davon abhalten, sein Leben auch trotz der Ungewissheit normal weiterzuleben?

Abwägung

Ok, wer sich ohne ausreichende Blutgerinnung in Situationen begibt, in denen er sich stoßen kann, riskiert, innerlich zu verbluten. Wer zusätzlich kaum Sauerstoff im Blut hat, kann jederzeit Schwindel bis zur Bewusstlosigkeit erleben.

Selbst Autofahren verbietet sich damit.

Darf Ihr Berichterstatter trotzdem zu einem lange geplanten Open Air-Konzert eines grandiosen Männerchors und eines befreundeten Musiker-Duos fahren?

Er tut es.

Denn die Aussicht auf dieses einmalige Erlebnis in der Natur des Reiftals in Neidingen erhält den Lebensmut. Und lässt gelassener abwarten, was die genaue Diagnose bringt.

Es gibt ja noch handhabbare Konstellationen.

Samstag, 13. Juni 2026, 12.20 Uhr

Mein lieber Freund D. wird mich abholen und morgen wieder zurückfahren. 

Nach einer Woche Regen scheint am Wochenende endlich wieder die Sonne.

 

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3 Kommentare
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Heidi und Manfred Merkle

Wir freuen uns auf das Konzert morgen, auf die Fallhütte und dich. Liebe Grüße Heidi und Manne

Müller-Elschner, Berlin

Ich erfahre viel Neues durch Dich, z.B. dass Goethen besoffen hinüberwechselte. Das gefällt mir. Ich hätte auch nur die Ängste, die G. h
hatte.
Die Parabel mit der Sonne ist gut. PRIMA, wie Du die Dinge siehst und trägst.
DIESE Beispiele helfen Dir. FAHR ZUM KONZeRT. schön, dass Du derartige Freunde hast.
Und keine Diagnose muss endgültig sein. Knochenmarktausch?
Im Vergleichsfall zu Dir, von dem ich schrieb, hat sich der Betroffene wie Du durch Schreiben u.Ähnliches eine sehr helfende Position geschaffen.Details bei Bedarf!
Gelassen abwarten. Bereit sein, endgültiges so leicht wie möglich ertragenzu können, – und auch
so s c h ö n wie glich. -ein gutes Ziel.
E.

Hermann

Ich wünsche Ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit und dass Sielbad wieder ganz gesund sind.
Ich möchte mich gerne auch in Zukunft an Ihren immer interessanten Artikel freuen.
Also alles Gute!!!!

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