Wie endet der Krieg in der Ukraine?

Russland steht nicht vor einer militärischen Niederlage, die Ukraine nicht vor dem Sieg über den Aggressor. Wichtige Faktoren, die Einfluss auf das Ende des Krieges haben, lassen sich jedoch identifizieren.

Am 24. Februar 2022 gab Putin den Angriffsbefehl auf die Ukraine. Ziel war und ist die Ablösung der Regierung und die Auslöschung der kulturellen Identität der Ukraine. Am 15. Juni 2026 lehnte er Friedensverhandlungen mit den G7-Staatschefs und dem US-Präsident Trump ein weiteres Mal ab.

Die ukrainische Armee hat im Sommer 2026 den russischen Vormarsch auf dem Land gestoppt. Außerdem hat die Ukraine mit der systematischen Zerstörung russischer Industrieanlagen weit hinter den Frontlinien begonnen. Das hat u.a. zu Versorgungsengpässen bei Treibstoff und zu Unruhe in der russischen Bevölkerung geführt.

Der Herbst des Autokraten

Putin zählt zu den fünf größten Massenmördern der jüngeren Geschichte. Wie Hitler, Mao, Stalin und Pol Pot ist er für mehr als eine Million Tote verantwortlich. Friedenswille ist von ihm nicht zu erwarten. Ebenso wenig ist sein freiwilliger Eintritt in den Ruhestand zu erwarten.

Mao und Stalin starben friedlich in ihren Betten. Putin wird eher den Weg von Hitler und Pol Pot gehen, die gewaltsam ums Leben kamen. Nach Geheimdienstberichten über massive Sicherheitsvorkehrungen für ihn kann man davon ausgehen, dass sich Putin des Risikos bewusst ist. Offenbar erhalten nur wenige Personen Zugang zu ihm.

Mit der Abschottung geht einher, dass der Diktator keine ungefilterten Informationen erhält. Er trifft seine Entscheidungen gleichsam im Dunkeln. So etwas geht selten lange gut.

Putin ist mit 74 in dem Alter, in dem Stalin begraben wurde.

Die offene Frage ist, inwieweit Putin bis zum Schluss der Wille und die Macht bleiben, angesichts einer Niederlage einen nuklearen Krieg auszulösen. Wäre Putin hinsichtlich seines Wahns mit Hitler vergleichbar, müsste man mit dem Schlimmsten rechnen.

Hitler, der sich in den letzten Tagen vor seinem Suizid über die Schwachheit des deutschen Volkes gegenüber den Kriegsgegnern enttäuscht zeigte, hätte eine Atomwaffe eingesetzt. Wenn er sie gehabt hätte.

Putin hat sie. Wie stark ist jedoch die Einbindung in die militärischen Strukturen, in denen ein Einsatzbefehl noch gestoppt werden kann?

Das weiß niemand.

Chinas Einfluss

Gesichert ist, dass Chinas Präsident Xi gegenüber Putin persönlich eine rote Linie für Nuklearwaffen gezogen hat. Sollte Russland gegen den Willen von China solche Waffen einsetzen, droht Putin die sofortige Einstellung der militärischen Unterstützung aus dem Reich der Mitte.

Damit wäre Russland, das unter Putin von China politisch abhängig wurde, auch wirtschaftlich am Ende. China wiederum muss im Fall eines russischen Atomangriffs auf die Ukraine oder Europa befürchten, dass seine Nachbarn ebenfalls nukleare Waffen haben wollen – zur Abschreckung.

Foto: Wikipedia

Den meisten Staatenlenkern ist klar, dass die Dynamik, die aus einem russischen Atomschlag entstünde, nicht kontrollierbar ist. China, das aktuell das größte nukleare Aufrüstungsprogramm der Geschichte umsetzt, scheint sich seinerseits auf alle Eventualitäten vorzubereiten.

Homo homini lupus.

Falsche Annahmen

Der Angriff Putins auf die Ukraine basierte auf einer Reihe von Fehlannahmen. So geht es Kriegsherren oft. Die ersten russischen Truppen hatten im Februar 2022 Paradeuniformen im Gepäck, um nach ein paar Tagen Krieg bei der Siegesfeier in Kyjiw angemessen gekleidet zu sein.

Dazu kam es bekanntermaßen nicht.

Offensichtlich setzte Putin auch auf seinen „Freund“ Donald Trump falsche Hoffnungen. Bei aller merkwürdigen Rhetorik des US-Präsidenten zu Russland hat Trump die Ukraine bisher nicht „unter den Bus geworfen“. Waren die USA in der ersten Zeit des Krieges die wichtigsten militärischen Unterstützer, so sind es jetzt die Europäer.

G7-Gipfel im Juni 2026/Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Deren tiefe Taschen zeigen sich jetzt. Zwar haben fast alle westlichen Demokratien ihre eigenen Sorgen. Aber die Finanzierung der Ukraine kann mehr oder weniger aus der Portokasse der reichen Demokratien erfolgen.

Zudem ist es gelungen, eine kontroverse Debatte über die finanziellen und militärischen Hilfen an die Ukraine zu vermeiden. Zu eindringlich sind die Bilder der russischen Aggression.

Was bedeutet das strategisch?

Russland kann den Krieg nicht gewinnen, aber sich selbst verlieren.

Der Zerfall der Russländischen Föderation

Die korrekte deutsche Übersetzung von Российская Федерация lautet nicht „Russische Föderation“, sondern „Russländische Föderation“. Russländer sind Menschen, die auf dem Gebiet Russlands leben. Russen sind ethnische Russen. Sie machen ca. 70 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Seit der Kolonisierung seiner Nachbarn ab dem 17. Jahrhundert ist das Moskowiter Reich ein Vielvölkerstaat. Gut 20 Prozent der Landfläche entfallen in der Gegenwart auf „Autonome Regionen“, die mehrheitlich von nicht-russischen Ethnien bewohnt sind.

Das kann eine potenzielle Bruchstelle für die territoriale Einheit sein. Denn einige dieser Autonomen Regionen wie Jakutien, Tatarstan, Bashkortostan, Komi und Burjatien tragen aufgrund ihrer Rohstoffvorkommen und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung überdurchschnittlich zum russischen Zentralhaushalt bei.

Kritik daran ist verboten. Seit 2024 ist unter Strafe gestellt, sich für die verfassungsmäßig geltenden Rechte der Minderheiten einzusetzen.

Wie der russische Zentralstaat mit Bestrebungen nach Unabhängigkeit umgeht, zeigten die beiden tschetschenischen Kriege. Armee und Luftwaffe gingen mit extremer Härte gegen die Aufständischen vor. Die tschetschenische Hauptstadt Grosny verwandelte sich in ein Trümmerfeld. Der Krieg endet offiziell erst 2009.

Russische Panzer in Tschetschenien im Jahr 2000 /Foto: Wikimedia Commons

Wie unzufrieden die nicht-russischen Regionen mit dem Status-quo sind, kann nicht seriös abgeschätzt werden. Allerdings gibt es auch in der jüngeren Geschichte Fälle, in denen Territorien nach langem Zusammenleben auseinanderbrechen: das österreichisch-ungarische Imperium, Jugoslawien, der Sudan.

Die relative Ruhe der letzten Jahre bedeutet nicht, dass so etwas in der Russischen Föderation ausgeschlossen ist.

Unerwartetes

„Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus.“ (Helmut von Moltke)

Am Ende wird etwas Unerwartetes eintreten, das den Krieg gegen die Ukraine beendet. Und das Ende dieses Krieges kann die Ursache für den nächsten sein.

Hoffen wir auf das Beste.

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