BeuronBerlin ist ein kleiner investigativer Blog. Er berichtet über die große weite Welt und über Beuron, wo er zu Hause ist. Er will Transparenz in eine Gemeinde bringen, in der viele politische Entscheidungen seit Jahren in einem engen lokalen Umfeld vorbereitet und getroffen werden. Und er will dazu beitragen, dass die negative Entwicklung Beurons wieder eine positive Richtung bekommt.
Das Land Baden-Württemberg betont offiziell die Bedeutung von Medienvielfalt.
Im Landkreis Sigmaringen erlebt BeuronBerlin eher das Gegenteil: Fragen zu Verwaltungsvorgängen im Landratsamt und in der Gemeinde Beuron werden nicht oder nur teilweise beantwortet. Die Gemeinde verweist auf das Landratsamt Sigmaringen, das Landratsamt verweist auf die Gemeinde. Unterlagen, die für die öffentliche Debatte wichtig wären, werden nicht oder erst auf Druck verzögert herausgegeben.
Die unabhängige lokale Berichterstattung über das Obere Donautal ist erschwert. Die Bevölkerung erfährt wenig oder nichts von den Hintergründen wichtiger Entscheidungen.
Ihr Berichterstatter wird persönlich diffamiert und ausgegrenzt.
Was steckt dahinter? Überforderung, politische Rücksichtnahmen oder etwas anderes?
Was auch immer: BeuronBerlin fordert die Einhaltung der geltenden Gesetze, die Transparenz und die öffentliche Kontrolle von Verwaltung und Politik möglich machen.
„Es reicht!“
So geht es nicht.
Der stellvertretende Beuroner Bürgermeister Rüdiger Bertsch verlor bereits Ende 2024 wegen der Berichterstattung von BeuronBerlin die Contenance.

Freund des Biogas-Landwirts/Foto: Gemeinde Beuron
Ein historisches Portrait der Beuroner Teilgemeinde Neidingen kommentierte er zunächst in der WhatsApp-Gruppe der Dorfgemeinschaft ohne einen konkreten Anlass mit „Es reicht!“.
Einige Tage später war klar, dass der Kommentar nicht durch die mangelnde literarische Qualität des Beitrags ausgelöst wurde.

Bertschs Problem/BeuronBerlin
Bertsch unterstützte öffentlich den Rauswurf des Journalisten aus der WhatsApp-Gruppe der Dorfgemeinschaft „zum Schutz der Gemeinderäte“.
Für die lokale Berichterstattung ein schwerer Schlag, weil viele Gemeindebelange in der Gruppe diskutiert werden.
Diese Logik öffentlicher Anprangerung ist gefährlich.
Historische Vergleiche sollten nicht die Analyse ersetzen. Aber es ist bedenklich, wenn Kritik von den Tonangebenden nicht diskutiert, sondern sozial mit Ausschluss geächtet wird.
Für das Landratsamt Sigmaringen war der Auftritt des Herrn Bertsch kein Problem. Es teilte auf Anfrage mit, es handele sich um einen privaten Konflikt.
Eine Vermittlung wurde abgelehnt.
Obwohl Ihr Berichterstatter nie privaten Kontakt mit dem Mann hatte.
Blockheizkraftwerk
So geht es auch nicht.
BeuronBerlin erfuhr im November 2024 von jahrelangen Anwohnerbeschwerden gegen ein unfertig in Betrieb genommenes Blockheizkraft in Hausen i.T.
Der Bauplan sieht eine Holzfassade vor, damit der Industriebau besser in die Wohnumgebung passt. Sie wurde einfach weggelassen.
Alle Anfragen dazu ignorierte der Hauptnutznießer der Anlage, der Eigentümer der dazugehörigen Biogasanlage, der Landwirt im Rathaus, Hans-Peter Wolf.
Das Projekt kostete den Steuerzahler drei Mio. Euro Förderung.
Verstoß gegen die Bauplanung/Foto: BeuronBerlin
Die von BeuronBerlin angesprochene Bauaufsicht im Landratsamt Sigmaringen wollte auf schriftliche Anfrage zunächst auch nichts dazu sagen.
Erst nach Einreichung einer Fachaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium Tübingen war das Landratsamt Sigmaringen plötzlich gesprächsbereit.
Man teilte BeuronBerlin mit, man habe nichts von dem Verstoß gegen die Bauplanung gewusst.
Man werde mit dem Bauherrn reden.
Bauerntheater
Am Tag vor der nächsten Beuroner Gemeinderatssitzung im März 2025 fand ein Stück absurdes Theater statt.
Anruf BeuronBerlin beim Landratsamt:
“Ich möchte vor der Gemeinderatssitzung gerne wissen, ob das Landratsamt die Fertigstellung der Fassade gemäß Bauplan durchgesetzt hat“.
Herr F. vom Landratsamt:
„Das werde ich Ihnen nicht sagen. Wir haben alle die Anweisung von oben, nicht mit Ihnen zu sprechen.“
BeuronBerlin:
„Ist denn Ihr Vorgesetzter, Herr B. zu sprechen?“
Herr F. vom Landratsamt:
„Das sage ich Ihnen nicht.“
Ende des Telefonats.
Anruf BeuronBerlin bei Durchwahl Herr B.
Es meldet sich Herr F.: „Herr B. hat auf mich umgestellt. So kriegen Sie mich nicht. Sie werden nichts erfahren.“
Ende des Telefonats
Der Landwirt im Rathaus erklärte in der abendlichen Gemeinderatssitzung, das unfertige Blockheizkraftwerk werde bis zum Juli 2025 fertiggestellt.

Gemeinderat und Landwirt /Foto: Gemeinde Beuron
Diese Ankündigung erfüllte sich nicht.
Das Landratsamt Sigmaringen teilte auf Nachfrage von BeuronBerlin im November 2025 mit, der Bauherr werde einen Änderungsantrag für das Blockheizkraftwerk erstellen, in dem die Fassade weggelassen ist.
Ein Beuroner Bürger, der dem Vorgang folgte, sagte gegenüber BeuronBerlin resigniert:
„Gegen den Filz kommst du nicht an.“
Doch.
Landrätin
Auf die Schilderung weiterer Vorgänge dieser Art wird hier verzichtet. In mehreren Fällen wartet BeuronBerlin noch auf Antworten.
Warum werden z.B. die versprochenen Mitfahrer-Haltestellen-Schilder nicht aufgehängt? Weil die Initiative von BeuronBerlin kam?
Schon die beschriebenen Vorgänge reichen aus, um eine grundsätzliche Frage zu stellen: Wie geht das Landratsamt Sigmaringen mit unabhängigen Medien um, die nicht Teil der gewohnten lokalen Kommunikationswege sind?
Diese Frage sollte im Landratsamt Chefinnen-Sache sein.
In einem demokratischen Rechtsstaat darf unabhängige Pressearbeit nicht dadurch erschwert werden, dass Auskünfte verweigert, Zuständigkeiten verschoben oder kritische Nachfragen administrativ ins Leere gelenkt werden.
Die Sigmaringer Landrätin ist eine mächtige Frau. Sie gilt als gut vernetzt und ist in ihrer zweiten Amtsperiode. Stefanie Bürkle sitzt in Gremien von EnBW, OEW, Kreissparkasse, Kliniken, Wirtschaftsförderung, Hohenzollerische Landesbahn usw.
Als OEW-Verwaltungsratschefin wirkt Stefanie Bürkle an milliardenschweren kommunalen Beteiligungsentscheidungen unmittelbar mit. Bei der Kapitalerhöhung für die EnBW im Jahr 2025 stand sie für ein 1,5 Mrd. Euro-Investment.
Sie gehört zur politischen Elite von Baden-Württemberg.
Aber, Frau Bürkle, auch wenn Sie es gewohnt sind, mit großen Summen umzugehen, die „kleine Themen“ in unserem demokratischen Gemeinwesen sind ebenso wichtig.
Dazu gehört, eine unabhängige journalistische Berichterstattung zu fördern. Oder zumindest nicht zu behindern.
Gerade in einer Gemeinde, die praktisch bei allen sozialen und wirtschaftlichen Indikatoren immer weiter im Land und im Bund zurückfällt.
Interviewanfrage
Liebe Frau Bürkle, ich möchte Sie hiermit um ein Interview für BeuronBerlin bitten.
Dabei geht es einmal um die Frage, warum die journalistische Arbeit im Landkreis und in der Gemeinde Beuron sich so schwierig gestaltet.
Zum anderen geht es um die Entwicklung der Gemeinde Beuron.
Das Landratsamt kann nicht die Inkompetenz in einer Gemeinde ausgleichen. Aber wenn sich eine schwache Kommunalverwaltung durch rechtswidrige Verweigerung von Auskünften, mangelhafte Transparenz, fragwürdige Satzungen und bauaufsichtlich zweifelhafte Duldungen bemerkbar macht, wird daraus eine Frage der Rechtsaufsicht.
Dann reicht der pauschale Verweis auf kommunale Selbstverwaltung nicht mehr aus.
Ihre Positionen würden die Leser und Leserinnen von BeuronBerlin sehr interessieren.
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